Die 2. Radfernfahrt der FernUni Hagen

Liebe Fahrrad-Freunde, die Radfernfahrten der FernUni scheinen so langsam zum Programm zu werden... dieses Jahr gings aus Anlaß des 20jährigen Bestehens der FeU zur Abwechslung mal umgekehrt los: von Brig (Schweiz, Wallis) zurück nach Hagen. (Letztes Jahr dagegen ging es von Hagen nach Wien.) Das Teilnehmerfeld bestand aus 19 Personen (incl. Fahrerin des Begleitfahrzeugs), davon immerhin über die Hälfte Fernstudenten. Besonderheit diesmal war die Teilnahme einer sehbehinderten Studentin mit Tandem. Außerdem wurde die Fahrt mit Video festgehalten, allerdings muß dafür beim nächstenmal noch eine passende Halterung erfunden werden. Von der technischen Ausrüstung und dem Trainingsstand war gegenüber dem Vorjahr eine weitere Steigerung festzustellen, sodaß der Leistungsstand näher aneinander rückte. Dies war angesichts der Bergetappen und ca. 120km/Tag bei zum großen Teil widrigen Wetterverhältnissen auch sehr hilfreich (reine Fahrzeit jeweils zwischen 5 und 6 Stunden).

Vorbereitung

Die Fahrtteilnehmer trafen sich insgesamt 6-mal, um die Organisation aufzuteilen und durchzusprechen: Streckenplanung, Unterkünfte, Anfahrt, Sponsoring usw. Eigentlich ein sehr schöner Teil der gesamten Fahrt, schade daß die meisten studentischen Teilnehmer hier nur wenig Beteiligungsmöglichkeiten hatten (schon auf Grund der Anreise). Aber eine einigermaßen systematische Vorbereitung ist bei Gruppengrößen > 5 einfach zwingend (Dank auch für die zahlreichen Protokolle und Erinnerungsschreiben). Als Fahrtroute wurde (grob) Brig, Collombay (Genfer See), Murten, Lucelle (Schweizer Jura), Colmar, Haguenau (Elsaß), Landau, Meisenheim, Zell (Mosel), Andernach, Gummersbach, Hagen ausgewählt. Die kürzere direkte eher nördliche Strecke hätte mit dem Furka-Paß begonnen und wurde von daher ausgeschieden. Kartenmaterial war z.T. Generalkarte, z.T. ADFC-Radtourenkarten (19,20,24).

Anfahrt (17. September)

Treffen war eigentlich um 6:00 Uhr morgens in Hagen angesagt, Abfahrt sollte um 7:00 Uhr sein. Dabei zeigten sich schon erste Probleme: Anfahrt per Bahn nach Hagen ist sonntags um die Zeit gar nicht so einfach, so kamen die letzten erst nach 7:00. Doch das machte nichts, da der NATOURS-Bus auch erst um 6:30 kam. Die Räder wurden aufs Dach gepackt, dabei war dann schon mal passendes Werkzeug gefragt, da die Lenker für die Verladung gerade gestellt werden mussten und die Inbusschrauben z.T. sehr weit innen lagen. Aber um 7:30 gings dann los, im Bus war auf Grund der geringen Mitfahrerzahl (12) viel Platz und manche zogen Träume von den vor uns liegenden Etappen der Aussicht auf die BAB vor. Erster Halt war nach der A45 (Sauerlandlinie) an der Raststätte Wetterau, wo wir einen zweiten Fahrer aufnahmen (der aus einem entgegenkommenden NATOURS-Bus aus Korsika umstieg und sich erst mal schlafen legte). In der Nähe von Stuttgart nahmen wir dann die Mitfahrerin mit ihrem Tandem auf, dies musste wegen der Größe schon in den Kofferraum vom Bus. Über Schaffhausen gings dann in die Schweiz, übrigens auch für die NATOURS-Fahrer auch ein neues Erlebnis, üblicherweise fahren die mehr in flache Gegenden wie Südfrankreich etc.). Nach dem Zuger See dann erste Schreckensmeldungen, Furka-Paß für LKW und Busse nicht befahrbar wegen Schneetreiben. Ein Polizeiwagen erhielt über Funk Nachricht, daß Susten- und Grimselpaß noch befahrbar sind. Doch auch auf diesen Pässen konnte man schon schöne Schneeballschlachten veranstalten. Auf der Landkarte machte der Umweg entfernungsmäßig keinen großen Unterschied, aber zeitlich war der Ankunftstermin 8:00 nun ganz hinüber, da der Bus über die Pässe hinweg nur übliche Fahrradschnitte schaffte. Ein bißchen schade, denn die Betreuer im Studienzentrum in Brig hatten sich für die Gestaltung des Abends in einer Pizzeria extra Zeit genommen. Auf der anderen Seite war die Aussicht aus dem Bus auf die Höhen und Tiefen (z.B. Rhone-Gletscher) "schrecklich" schön.

1. Etappe: Brig-Collombay (ca. 110 km)

Nach dem Frühstück (Hotel-Mitbewohner bezichtigten uns des Vielfraßes, da keine Brötchen mehr über blieben!) stand erst mal Begrüßung/Verabschiedung im schönen Schloßhof auf dem Programm. StZ-Mitarbeiter, Presse und sogar die Bürgermeisterin waren zum Anstossen auf ein erfolgreiches Gelingen erschienen. Eine Reihe der StZ-Mitarbeiter ließen es sich sogar nicht nehmen, die erste Etappe zum Teil mitzufahren. Dadurch wurde die erste Etappe zu einem vollen Erfolg, nicht nur hervorragendes Wetter incl. Rückenwind - morgens zum Genfer See (Martigny) hin, nachmittags dann umgedreht - sondern auch kundige Radwege-Führer. Besonders spannend war ein Teilstück auf einem Flugplatz, dort konnten alle mal neben- statt hintereinanderfahren. Zusatzarbeit verrichten durfte Mitfahrer Rudi, er hatte sich ein neues Laufrad für sein Rennrad besorgt und stellte nach dem fünften Platten unpassende (zu schmale) Felgenbänder als Ursache fest. Collombey war im Gegensatz zu Brig (dort insbesondere der schönen Altstadt) eher häßlich. Auch die Unterkunft ließ, zumindest was die Fahrräder anging, zu wünschen übrig (die Fahrräder blieben nachts in der Bar/Rezeption).

2. Etappe: Collombay - Murten (ca. 110 km)

Die erste Überraschung gabs zum Frühstück, die Wirtin kam mit einem Zeitungs-Artikel incl. Bild von unserer Abfahrt in Brig; da wir nun bereits im französischen Teil waren, mussten beim Lesen die meisten ihre Sprachkenntnisse auffrischen (Mitarbeiter waren alle zu Professoren aufgestiegen!). Erster Halt der Etappe war dann beim Schloß Chillon am/im Genfer See, auf Grund hoher Eintrittspreise (15 SFR) blieb es beim genießen der Aussicht von dort auf den Genfer See. Weiter ging es auf dem Fußweg am Genfer See bis Montreux (mondän), auf Grund des schlecher werdenden Wetters waren zum Glück nicht allzuviele Spaziergänger unterwegs. Die alternative Hauptstraße wäre allerdings noch schlechter gewesen, dort herrschte Hochbetrieb. So waren insbesondere die Rennfahrer froh, als wir unseren ersten Anstieg von Lausanne hoch Richtung Neusiedlersee angehen konnten, hier gab es dann kaum noch Verkehr (vermutlich auf die Autobahn ausgewichen) und schon beträchtliche Zeitunterschiede bis zur Paßhöhe. Der letzte Abschnitt bis zum Murtener See litt leider bereits unter Regen, erste Bewährungsprobe der mitgeführten Regen-Ausrüstung. Murten selber war sehr schön, aber einer größeren Besichtigung machte der Regen einen Strich durch die Rechnung (apropos Geld: die Schweiz ist bzgl. Übernachtung und Essen nicht billig, Helmut versuchte sich vergeblich bei der Bestellung eines Kindertellers!).

3. Etappe: Murten - Lucelle (ca. 100 km)

Zum Glück gabs ein wunderschönes Frühstuck mit herrlicher Aussicht auf den Murten See, die Jura-Etappe über Biel und Delemont hatte es nämlich in sich und forderte den Teilnehmern alles ab. Der erste Anstieg hinter Biel riß das Feld bereits auseinander, auch wenn der Col de Pierre Pertuis nur 827 Höhenmeter hatte. Aber wer gehofft hatte, damit wäre das Schwerste geschafft, musste vor allem hinter Delemont eines besseren belehrt werden. Der Anstieg bis zur Grenze war insbesondere bei Regen für einige nur noch mit Pausen und Ausnutzen der vollen Straßenbreite zu schaffen, und als dann - angesichts der Ortseinfahrt als vermeintlichem Ziel - der Zöllner meinte, bis zum Hotel seien es nur noch 5 km bergauf konnte man manche Flüche sehr deutlich hören.... Im Hotel in der Einöde wurden wir dann in Mehrbettzimmer (bis zu 5-bett) gepackt, zum Ausgleich ließ das Abendessen aber keinerlei Wünsche offen.

4. Etappe: Lucelle-Colmar (ca. 105 km)

Diese Flachetappe begann mit einer langen Abfahrt vom Glaserberg (811) und entsprechend hohem Schnitt (>30). Dabei ging leider eine der Teilnehmer (Micha musste Postkarten holen) verloren und somit der Zeitvorteil auch. Die Orte an der Route hatten sehr deutsche Namen: Winkel, Feldbach, Altkirch, besonders hübsch erhalten der Ort Ingersheim. Das Hotel in Colmar lag zwar sehr zentral (Bahnhofsnähe), war aber etwas heruntergekommen. Dafür entschädigte Colmar (Klein-Venedig) selbst, und auch das Wetter am folgenden Ruhetag war bilderbuchartig, so daß viele einen Ausflug in die Umgebung wagten (Kaysersberg, Ribeauville). Leider fand sich keiner für eine zusätzliche Bergprüfung (Grande Ballon). Kulinarisch boten die Lokalitäten alles (auch für den Geldbeutel), allerdings stieß die Übersetzung manchmal (Schwarzwurzeln) auf Probleme. In Colmar bekam die Gruppe Verstärkung durch Regine.

5. Etappe: Colmar - Haguenau (ca. 115 km)

Nachdem die Stadt verlassen war, stiessen wir schnell auf die touristisch gut erschlossenen Weinorte Ribeauville bzw. Riquewihr. Bereits am frühen Morgen (10 Uhr) war so ein Durchkommen per Fahrrad kaum noch möglich, so daß die Gruppe anschliessend zusammengesucht werden musste (starke Erinnerung an "Drosselgasse"). Ludwig und Enno legten dann ein paar Zusatzkilometer zurück, auch Kartenlesen will gelernt sein (hilfreich erwies sich allerdings während der gesamten Tour ein fester Kartenhalter am Lenker). Haguenau war eher unscheinbar, dafür sorgte ein Hundeclub im Hotel für ausreichend Hintergrundgeräusch.

6. Etappe: Haguenau-Landau (Bornheim) (ca. 100 km)

Schönster Streckenabschnitt war das Stück zwischen Lembach und Burg Berwartstein (Erlenbach), sowohl die Radwege - abseits der Straße durch die Wälder - als auch die Landschaft (Felsengebirge) und die Burgen zeichnen den Pfälzer Wald als ruhiges (Rad-) Wandergebiet aus. Die gut erhaltene Burg Berwartstein verlockte sogar zur Teilnahme an einer Führung. Danach setzte dann leider wieder der Regen ein, die Blicke auf die Ortschaften und Ruinen (Trifels) waren nur kurz. Die ersten Teilnehmer stiegen aus (Marianne und Gerd), darüberhinaus verstärkten sich gesundheitliche Probleme bei dem Tandemvordermann (Alexander), sodaß er den abendlichen Besuch des Weinfestes im Nachbarort vorsichtshalber ausließ (hat dabei aber auch nicht viel verpasst, wenn man vom Versuch absieht, Micha zum Biertrinken zu bewegen). Die Nachspeise (Eisbombe) war allerdings überwältigend.

7. Etappe: Landau - Meisenheim (ca. 100 km)

Der Tag begann mit der ersten größeren Panne, Helmut hatte 8 defekte Speichen und versuchte, in Landau eine Werkstatt zu finden und anschliessend die Etappe alleine zu bewältigen (mit Erfolg, er hatte ca. 1 Stunde Vorsprung). Das Tandem bekam einen neuen Vordermann (Rudi), der sich alle Mühe gab, die Restgruppe zu beeindrucken (ebenfalls erfolgreich). Trotzdem stellte auch er fest, daß das Tandemfahren insbesondere bergauf anstrengender als Alleinfahren ist und wusste die Leistung von Elfie (als Tandemfrau) und Alex umso mehr zu weurdigen. Nach einem Anschauungsunterricht in maschineller Weinlese verließen wir die deutsche Weinstraße bei Bad Dürckheim Richtung Kaiserslautern. Trotz weniger Höhenmeter (ca. 350) kam uns der Anstieg Richtung Kaiserslautern recht beschwerlich vor. Das folgende Stück über Rockenhausen nach Meisenheim war dafür umso erholsamer, nicht zuletzt wegen zunehmendem Sonnenscheins. Ausklang des Tages war dann ein Abendessen in der Baumburg (steile Auffahrt!). Die Übernachtung in einem Sportler-Internat war vor allem billig (21 DM).

8. Etappe Meisenheim - Zell (ca. 85 km)

Auch diese Etappe machte zunächst einen einfachen Eindruck, wurde aber mit zunehmender Dauer immer anstrengender: lange Steigungen (Hunsrückhöhenstraße), starker Wind und zahlreiche Pannen. Das Ende von Traben-Trarbach bis Zell litt wieder unter Regen. Besonders betroffen war diesmal das Tandem (Elfie und Enno), bei dem das Hinterrad bis zur kompletten Auswechslung mit einem "normalen" Hinterrad Plattenprobleme machte. Erfahrung: nie mit einem neuen Rad eine lange Tour starten, jede Schwachstelle wird dabei gnadenlos aufgedeckt. Zur Gruppe hinzu kam Christian, der die Anfahrt (von Remscheid) an einem Tag komplett per Rad in Angriff genommen hatte.

Diesen Abschnitt des Reiseberichtes verfasste Enno de Vries.


Intermezzo: Remscheid - Kastellaun (178 km)

Mit einem quetschgepackten Rucksack bewaffnet, trat ich morgens die Reise nach Meisenheim an, wo ich "meine Einheit" am Abend anzutreffen hoffte. Um den Köln/Bonner Großraum zu umgehen, fuhr ich über Bergisch-Gladbach nach Siegburg und bog dann kurz vor Hennef rechts ab, um über Aegidienberg nach Linz auf den Rhein zu stossen. Auf diesem Teilstück gab es die ersten heftigen Steigungen zu geniessen, aber so lange Abfahrten wie nach Linz (ca. 8 km) haben auch was für sich.
Bei Bad Breisig gings dann per Fähre über den Rhein, und dann gleich quer in die Eifel nach Maria Laach, Mendig, Ploch nach Treis-Karden an der Mosel. Hier zeichnete sich bereits ab, dass die gerade auskurierte Grippe doch mehr Körner gekostet hatte als erwartet, so daß ich die 245 km bis Meisenheim wohl nicht schaffen würde. Trotzdem ging ich nach der Moselüberquerung noch das Teilstück nach Simmern an, was mich aber durch reichliches Auf und Ab in Kastellaun zur Kapitulation zwang. Nur noch auf reine Fettverbrennung zurückgreifend, war mein Schnitt am Ende unter 20 km/h gesunken. Dafür kann man in Kastellauns Schlosshotel gut und günstig wohnen, und einen Italiener gibt es in dem Ort auch (wenn auch sonst nicht viel).

8a. Etappe: Kastellaun - Zell/Mosel (89 km)

Ein reichliches Frühstück mit Kakao bis zum Abwinken brachte mich wieder in Form, und so ging's erstmal 12 km über die Hunsrück-Höhenstraße nach Südwesten - nicht zu empfehlen, da a) die Strasse tatsächlich über die Höh geht und b) südwest die bevorzugte Windrichtung ist. Bei Windstärken über 5 macht das wirklich keinen Spaß. Über Kirchberg und Bruschied erreichte ich dann Bundenbach, wo ich den Rest der Truppe zu finden hoffte. Bei Sonnenschein (wenn auch reichlich kühlem Wind) hockte ich mich eine Stunde als Gallionsfigur auf die eine oder andere Mauer des Örtchens, bis ich die ersten Mitstreiter den Pass erklimmen sah, bald gefolgt von unserem Begleitfahrzeug, so daß ich endlich mein Gepäck loswerden konnte.
Mit den Kollegen ging's dann, wie oben schon beschrieben, hinauf zur Hunsrück-Höhenstraße, wo uns der Wind diesmal querkam, so stark, daß es Helmut auf der Abfahrt nach Traben-Trarbach beinahe vom Rad geweht hätte. Nach der Abfahrt ins Moseltal wärmten wir uns erstmal ein Stündchen in einem Kaffee auf, was auch die pannengeplagten Tandemfahrer wieder zu uns aufschliessen ließ. Für den Rest bis Zell (20 km) hatten wir den Wind dann endlich mal auf unserer Seite, nämlich von hinten.

9. Etappe: Zell/Mosel - Andernach (106 km)

Eines der landschaftlich schönsten Teilstücke dieser Fahrt begann mit dem übelsten Wetter: Ein deftiger Landregen minimierte die Lust zum Abfahren. Alexander tat das einzig richtige, indem er (allerdings wegen Krankheit) den Zug als Reisemöglichkeit wählte. Als wir uns dennoch überwunden hatten, scheiterte prompt der Versuch, statt links der Mosel die Bundesstraße die auf der rechten Seite gelegenen Nebenstraßen und für einen Abschnitt Uferfeldwege zu benutzen: Der Uferweg war nicht mehr als eine völlig durchweichte Schlammpiste, und fast jeder mußte zumindest einmal überstürzt vom Veloziped absteigen. Da Enno uns am Vorabend leider per Zug verlassen mußte, durfte ich heute das Tandem steuern, und bis heute weiß ich nicht genau, wie ich diesen Weg ohne Sturz bezwang - meine Hochachtung für Elfie, die das Schlingern des Gefährts mit stoischer Ruhe ertrug.
Ab Cochem schließlich hatten die Experimente ein Ende, und wir folgten der Hauptstraße bis fast nach Koblenz, wo wir dann dem ausgeschilderten Radwanderweg nach Andernach über Kärlich und Weissenthurm folgten. (Die ursprünglich geplante Route über Ochtendung und Plaidt fand wegen gefürchteter zusätzlicher Höhenmeter leider keine Anhänger.) Auf dem letzten Drittel gab es dann - oh Wunder - auch wieder Sonnenschein, so daß wir wenigstens einen kleinen Teil der Mosellandschaft noch wirklich genießen konnten. Ab Koblenz gab es nichts mehr zu genießen, da die Strecke durch Industrigebiete und zum Teil parallel zur autobahnartig ausgebauten B9 verlief. Auch auf diesem Abschnitt forderte der Radweg wieder seine Opfer, diesmal mußte Michael zwei Mal den Reifen (bzw. Schlauch) wechseln.

10. Etappe: Andernach - Gummersbach-Derschlag (121 km)

Rheinüberquerungen haben so ihre Tücken, Brücken und Fähren sind in diesem Abschnitt doch reichlich dünn gesät. So mussten wir also 5 km nach Weissenthurm zurück fahren und dort die Rheinbrücke nach Neuwied benutzen - eine der seltenen Gelegenheiten, wo man den vorhandenen Radweg wählen sollte, da die Straße selbst durchaus den Charakter einer Autobahn hat.
Nach Peilung des Sonnenstandes grob Richtung Nordosten fahrend, schafften wir es tatsächlich, problemlos die Wiedtal-Strasse zu finden. Das Wiedtal, insbesondere in den oberen Abschnitten sehr idyllisch und ruhig, ist eine der topographisch einfachsten Möglichkeiten, eine größere Strecke durch den Westerwald zu bewältigen, und bot uns als Highlight eine Kolonie (Grau-?) Reiher am Flussufer. Ab Neustadt/Wied wars dann aber mit der ruhigen Treterei vorbei, irgendwie mussten wir ja mal über den Westerwald rüber, um nach Eitorf and der Sieg zu kommen. Rechtzeitig zum schwierigeren Terrain meldete sich auch der Regen wieder... Bevor wir dann den 7km langen Anstieg nach Waldbröl in Angriff nahmen, kehrten wir noch in einer Schänke ein, wo der Wirt uns partout eine "viel einfachere" Alternativstrecke empfehlen wollte, die aber, wie auf einer Wanderkarte zu sehen war, immer senkrecht zu den Höhenlinien verlief - Moral: Vertraue keinem Autofahrer!
Auf dem letzten Teilstück, gewürzt durch einige kurze aber kernige Steigungen, ging uns dann tatsächlich noch Regine verloren, sie wollte wohl noch eine Extra-Bergwertung nach Eckenhagen fahren. Gottseidank hat sie aber trotzdem noch das in letzter Minute umgebuchte Quartier gefunden.

11. Etappe: Gummersbach-Derschlag - Hagen (62 km)

Um allzu viel Höhenmeter auf dieser letzten Etappe zu vermeiden, bissen wir in den sauren Apfel und folgten von Derschlag der B55 und später der B256 durch das Zentrum von Gummersbach nach Marienheide. Zwar ging es auch hier lustig bergan, aber immer noch gemäßigt im Vergleich zur Alternative an der Aggertalsperre vorbei (die außerdem auch einige Kilometer länger gewesen wäre).
Geplant war, um etwa 15 Uhr in Hagen einzutreffen, wo uns Presse und Rektor erwarten wollten, aber beinahe hätte uns ein Defekt am Tandem einen Strich durch die Rechnung gemacht: Kurz vor Marienheide riß der Mantel am Hinterrad an der Felgenkante auf, Flicken des Schlauchs half hier nicht mehr. Gottseidank war das Begleitfahrzeug in der Nähe, so daß wir das Rad auf einfache Weise zu einem Radhändler schaffen konnten, der auch gleich das Rad neu zentrierte - eine ziemlich notwendige Maßnahme. Bedenklich stimmte lediglich die Tatsache, dass der erst in Traben-Trabach neu aufgezogene Mantel schlappe 200 km gehalten hatte. Und wäre es nicht so kalt und windig gewesen, hätte man die Stunde in einem Bushäuschen auch als nicht ganz so lang empfunden; immerhin: noch regnete es nicht.
Nachdem das Tandem wieder fahrtüchtig war, ging es dann über Ohl und Rönsahl eine kleine Kreisstraße direkt nach Halver-Engstfeld, und dann über Halver, Breckerfeld nach Hagen-Eilpe, und rechtzeitig ab Halver, ab wo wir eindeutig wieder in heimischen Gefilden weilten, war dann auch endlich der Regen wieder da. Als Entschädigung gabs am Ende nochmal eine schnuckelige 6 km lange Abfahrt mit einem Gefälle von bis zu 9%. Von Eilpe aus fuhren wir dann im Konvoi den restlichen Verkehr aufhaltend die noch verbleibenden 2 km bis zur Stadthalle, wo es Rektor und Presse immer noch ausgehalten hatten und uns erwarteten. Am wichtigsten war uns aber wohl der vorbereitete Imbiß ;-).

Teilnehmer

Helmut Bähring (Reiserad, Giant)
Per Bergamin (Rennrad, ?)
Ludwig Braun (Rennrad, ?)
Brigger, Eugen (Rennrad, ?)
Peter Hauser (Reiserad, Rabeneick)
Elfie Koch (Tandem, Dawes Galaxy)
Marianne Lehmann (Trekkingrad)
Rudolf Lorenz (Rennrad Bianchi)
Rico Meyer (Tourenrad, 3Gang?)
Michael Neis (Rennrad, Basso)
Raimund Pfundtner (Rennrad, ?)
Gerhard Rademacher (Rennrad, Giant Cadex)
Regine Reuter (Trekkingrad, Kettler?)
Christian Schulz (Rennrad, Francesco Moser)
Alexander Stamm (Tandem , Dawes)
Barbara Vollmer (Reiserad, Vogue)
Enno de Vries (Reiserad, Trek 520)
Nikola Weber (Reiserad, Dawes)
Renata Pfundtner (Transporter, Ford Transit)
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Christian Schulz, 19.10.1995, 22.03.1996