Die 2. Radfernfahrt der FernUni Hagen
Liebe Fahrrad-Freunde,
die Radfernfahrten der FernUni scheinen so langsam zum Programm zu
werden... dieses Jahr gings aus Anlaß des 20jährigen Bestehens der
FeU zur Abwechslung mal umgekehrt los: von Brig (Schweiz, Wallis)
zurück nach Hagen. (Letztes Jahr dagegen ging es von
Hagen nach Wien.)
Das Teilnehmerfeld bestand
aus 19 Personen
(incl. Fahrerin des Begleitfahrzeugs), davon immerhin über die
Hälfte Fernstudenten. Besonderheit diesmal war die Teilnahme einer
sehbehinderten Studentin mit Tandem. Außerdem wurde die Fahrt mit
Video festgehalten, allerdings muß dafür beim nächstenmal noch eine
passende Halterung erfunden werden. Von der technischen Ausrüstung
und dem Trainingsstand war gegenüber dem Vorjahr eine weitere
Steigerung festzustellen, sodaß der Leistungsstand näher aneinander
rückte. Dies war angesichts der Bergetappen und ca. 120km/Tag bei zum
großen Teil widrigen Wetterverhältnissen auch sehr hilfreich (reine
Fahrzeit jeweils zwischen 5 und 6 Stunden).
Vorbereitung
Die Fahrtteilnehmer trafen sich insgesamt 6-mal, um die Organisation
aufzuteilen und durchzusprechen: Streckenplanung, Unterkünfte, Anfahrt,
Sponsoring usw. Eigentlich ein sehr schöner Teil der gesamten Fahrt,
schade daß die meisten studentischen Teilnehmer hier nur wenig
Beteiligungsmöglichkeiten hatten (schon auf Grund der Anreise). Aber
eine einigermaßen systematische Vorbereitung ist bei Gruppengrößen >
5 einfach zwingend (Dank auch für die zahlreichen Protokolle und
Erinnerungsschreiben). Als Fahrtroute wurde (grob) Brig, Collombay
(Genfer See), Murten, Lucelle (Schweizer Jura), Colmar, Haguenau
(Elsaß), Landau, Meisenheim, Zell (Mosel), Andernach, Gummersbach,
Hagen ausgewählt. Die kürzere direkte eher nördliche Strecke hätte
mit dem Furka-Paß begonnen und wurde von daher ausgeschieden.
Kartenmaterial war z.T. Generalkarte, z.T. ADFC-Radtourenkarten (19,20,24).
Anfahrt (17. September)
Treffen war eigentlich um 6:00 Uhr morgens in Hagen angesagt, Abfahrt sollte
um 7:00 Uhr sein. Dabei zeigten sich schon erste Probleme:
Anfahrt per Bahn nach Hagen ist sonntags um die Zeit gar nicht so einfach, so
kamen die letzten erst nach 7:00. Doch das machte nichts, da der NATOURS-Bus
auch erst um 6:30 kam. Die Räder wurden aufs Dach gepackt, dabei war dann
schon mal passendes Werkzeug gefragt, da die Lenker für die Verladung
gerade gestellt werden mussten und die Inbusschrauben z.T. sehr weit innen
lagen. Aber um 7:30 gings dann los, im Bus war auf Grund der geringen
Mitfahrerzahl (12) viel Platz und manche zogen Träume von den vor uns
liegenden Etappen der Aussicht auf die BAB vor. Erster Halt war nach der
A45 (Sauerlandlinie) an der Raststätte Wetterau, wo wir einen zweiten
Fahrer aufnahmen (der aus einem entgegenkommenden NATOURS-Bus aus Korsika
umstieg und sich erst mal schlafen legte). In der Nähe von Stuttgart nahmen
wir dann die Mitfahrerin mit ihrem Tandem auf, dies musste wegen der Größe
schon in den Kofferraum vom Bus. Über Schaffhausen gings dann in die
Schweiz, übrigens auch für die NATOURS-Fahrer auch ein neues Erlebnis,
üblicherweise fahren die mehr in flache Gegenden wie Südfrankreich etc.).
Nach dem Zuger See dann erste Schreckensmeldungen, Furka-Paß für LKW und
Busse nicht befahrbar wegen Schneetreiben. Ein Polizeiwagen erhielt
über Funk Nachricht, daß Susten- und Grimselpaß noch befahrbar sind.
Doch auch auf diesen Pässen konnte man schon schöne Schneeballschlachten
veranstalten. Auf der Landkarte machte der Umweg entfernungsmäßig keinen
großen Unterschied, aber zeitlich war der Ankunftstermin 8:00 nun ganz
hinüber, da der Bus über die Pässe hinweg nur übliche Fahrradschnitte
schaffte. Ein bißchen schade, denn die Betreuer im Studienzentrum in Brig
hatten sich für die Gestaltung des Abends in einer Pizzeria extra Zeit
genommen. Auf der anderen Seite war die Aussicht aus dem Bus auf die Höhen
und Tiefen (z.B. Rhone-Gletscher) "schrecklich" schön.
1. Etappe: Brig-Collombay (ca. 110 km)
Nach dem Frühstück (Hotel-Mitbewohner bezichtigten uns des
Vielfraßes, da keine Brötchen mehr über blieben!) stand erst mal
Begrüßung/Verabschiedung im schönen Schloßhof auf dem
Programm. StZ-Mitarbeiter, Presse und sogar die Bürgermeisterin waren
zum Anstossen auf ein erfolgreiches Gelingen erschienen. Eine Reihe
der StZ-Mitarbeiter ließen es sich sogar nicht nehmen, die erste
Etappe zum Teil mitzufahren. Dadurch wurde die erste Etappe zu einem
vollen Erfolg, nicht nur hervorragendes Wetter incl. Rückenwind -
morgens zum Genfer See (Martigny) hin, nachmittags dann umgedreht -
sondern auch kundige Radwege-Führer. Besonders spannend war ein
Teilstück auf einem Flugplatz, dort konnten alle mal neben- statt
hintereinanderfahren. Zusatzarbeit verrichten durfte Mitfahrer Rudi,
er hatte sich ein neues Laufrad für sein Rennrad besorgt und stellte
nach dem fünften Platten unpassende (zu schmale) Felgenbänder als
Ursache fest. Collombey war im Gegensatz zu Brig (dort insbesondere
der schönen Altstadt) eher häßlich. Auch die Unterkunft ließ,
zumindest was die Fahrräder anging, zu wünschen übrig (die
Fahrräder blieben nachts in der Bar/Rezeption).
2. Etappe: Collombay - Murten (ca. 110 km)
Die erste Überraschung gabs zum Frühstück, die Wirtin kam mit einem
Zeitungs-Artikel incl. Bild von unserer Abfahrt in Brig; da wir nun
bereits im französischen Teil waren, mussten beim Lesen die meisten
ihre Sprachkenntnisse auffrischen (Mitarbeiter waren alle zu
Professoren aufgestiegen!). Erster Halt der Etappe war dann beim Schloß
Chillon am/im Genfer See, auf Grund hoher Eintrittspreise (15 SFR)
blieb es beim genießen der Aussicht von dort auf den Genfer See. Weiter
ging es auf dem Fußweg am Genfer See bis Montreux (mondän), auf Grund
des schlecher werdenden Wetters waren zum Glück nicht allzuviele
Spaziergänger unterwegs. Die alternative Hauptstraße wäre allerdings
noch schlechter gewesen, dort herrschte Hochbetrieb. So waren
insbesondere die Rennfahrer froh, als wir unseren ersten Anstieg von
Lausanne hoch Richtung Neusiedlersee angehen konnten, hier gab es dann
kaum noch Verkehr (vermutlich auf die Autobahn ausgewichen) und schon
beträchtliche Zeitunterschiede bis zur Paßhöhe. Der letzte Abschnitt
bis zum Murtener See litt leider bereits unter Regen, erste
Bewährungsprobe der mitgeführten Regen-Ausrüstung. Murten selber war
sehr schön, aber einer größeren Besichtigung machte der Regen einen
Strich durch die Rechnung (apropos Geld: die Schweiz ist bzgl.
Übernachtung und Essen nicht billig, Helmut versuchte sich vergeblich
bei der Bestellung eines Kindertellers!).
3. Etappe: Murten - Lucelle (ca. 100 km)
Zum Glück gabs ein wunderschönes Frühstuck mit herrlicher Aussicht
auf den Murten See, die Jura-Etappe über Biel und Delemont hatte es
nämlich in sich und forderte den Teilnehmern alles ab. Der erste
Anstieg hinter Biel riß das Feld bereits auseinander, auch wenn der
Col de Pierre Pertuis nur 827 Höhenmeter hatte. Aber wer gehofft
hatte, damit wäre das Schwerste geschafft, musste vor allem hinter
Delemont eines besseren belehrt werden. Der Anstieg bis zur Grenze war
insbesondere bei Regen für einige nur noch mit Pausen und Ausnutzen
der vollen Straßenbreite zu schaffen, und als dann - angesichts der
Ortseinfahrt als vermeintlichem Ziel - der Zöllner meinte, bis zum
Hotel seien es nur noch 5 km bergauf konnte man manche Flüche sehr
deutlich hören.... Im Hotel in der Einöde wurden wir dann in
Mehrbettzimmer (bis zu 5-bett) gepackt, zum Ausgleich ließ das
Abendessen aber keinerlei Wünsche offen.
4. Etappe: Lucelle-Colmar (ca. 105 km)
Diese Flachetappe begann mit einer langen Abfahrt vom Glaserberg
(811) und entsprechend hohem Schnitt (>30). Dabei ging leider eine der
Teilnehmer (Micha musste Postkarten holen) verloren und somit der
Zeitvorteil auch. Die Orte an der Route hatten sehr deutsche Namen:
Winkel, Feldbach, Altkirch, besonders hübsch erhalten der Ort
Ingersheim. Das Hotel in Colmar lag zwar sehr zentral
(Bahnhofsnähe), war aber etwas heruntergekommen. Dafür entschädigte
Colmar (Klein-Venedig) selbst, und auch das Wetter am folgenden
Ruhetag war bilderbuchartig, so daß viele einen Ausflug in die
Umgebung wagten (Kaysersberg, Ribeauville). Leider fand sich keiner
für eine zusätzliche Bergprüfung (Grande Ballon). Kulinarisch
boten die Lokalitäten alles (auch für den Geldbeutel), allerdings
stieß die Übersetzung manchmal (Schwarzwurzeln) auf Probleme. In
Colmar bekam die Gruppe Verstärkung durch Regine.
5. Etappe: Colmar - Haguenau (ca. 115 km)
Nachdem die Stadt verlassen war, stiessen wir schnell auf die
touristisch gut erschlossenen Weinorte Ribeauville bzw. Riquewihr.
Bereits am frühen Morgen (10 Uhr) war so ein Durchkommen per Fahrrad
kaum noch möglich, so daß die Gruppe anschliessend zusammengesucht
werden musste (starke Erinnerung an "Drosselgasse"). Ludwig und Enno
legten dann ein paar Zusatzkilometer zurück, auch Kartenlesen will
gelernt sein (hilfreich erwies sich allerdings während der gesamten
Tour ein fester Kartenhalter am Lenker). Haguenau war eher unscheinbar,
dafür sorgte ein Hundeclub im Hotel für ausreichend Hintergrundgeräusch.
6. Etappe: Haguenau-Landau (Bornheim) (ca. 100 km)
Schönster Streckenabschnitt war das Stück zwischen Lembach und Burg
Berwartstein (Erlenbach), sowohl die Radwege - abseits der Straße
durch die Wälder - als auch die Landschaft (Felsengebirge) und die
Burgen zeichnen den Pfälzer Wald als ruhiges (Rad-) Wandergebiet
aus. Die gut erhaltene Burg Berwartstein verlockte sogar zur Teilnahme
an einer Führung. Danach setzte dann leider wieder der Regen ein, die
Blicke auf die Ortschaften und Ruinen (Trifels) waren nur kurz. Die
ersten Teilnehmer stiegen aus (Marianne und Gerd), darüberhinaus
verstärkten sich gesundheitliche Probleme bei dem Tandemvordermann
(Alexander), sodaß er den abendlichen Besuch des Weinfestes im
Nachbarort vorsichtshalber ausließ (hat dabei aber auch nicht viel
verpasst, wenn man vom Versuch absieht, Micha zum Biertrinken zu
bewegen). Die Nachspeise (Eisbombe) war allerdings überwältigend.
7. Etappe: Landau - Meisenheim (ca. 100 km)
Der Tag begann mit der ersten größeren Panne, Helmut hatte 8 defekte
Speichen und versuchte, in Landau eine Werkstatt zu finden und
anschliessend die Etappe alleine zu bewältigen (mit Erfolg, er hatte ca.
1 Stunde Vorsprung). Das Tandem bekam einen neuen Vordermann
(Rudi), der sich alle Mühe gab, die Restgruppe zu beeindrucken
(ebenfalls erfolgreich). Trotzdem stellte auch er fest, daß das
Tandemfahren insbesondere bergauf anstrengender als Alleinfahren ist und
wusste die Leistung von Elfie (als Tandemfrau) und Alex umso mehr zu
weurdigen. Nach einem Anschauungsunterricht in maschineller Weinlese
verließen wir die deutsche Weinstraße bei Bad Dürckheim Richtung
Kaiserslautern. Trotz weniger Höhenmeter (ca. 350) kam uns der Anstieg
Richtung Kaiserslautern recht beschwerlich vor. Das folgende Stück
über Rockenhausen nach Meisenheim war dafür umso erholsamer, nicht
zuletzt wegen zunehmendem Sonnenscheins. Ausklang des Tages war dann ein
Abendessen in der Baumburg (steile Auffahrt!). Die Übernachtung in
einem Sportler-Internat war vor allem billig (21 DM).
8. Etappe Meisenheim - Zell (ca. 85 km)
Auch diese Etappe machte zunächst einen einfachen Eindruck, wurde
aber mit zunehmender Dauer immer anstrengender: lange Steigungen
(Hunsrückhöhenstraße), starker Wind und zahlreiche Pannen. Das Ende
von Traben-Trarbach bis Zell litt wieder unter Regen. Besonders
betroffen war diesmal das Tandem (Elfie und Enno), bei dem das
Hinterrad bis zur kompletten Auswechslung mit einem "normalen"
Hinterrad Plattenprobleme machte. Erfahrung: nie mit einem neuen Rad
eine lange Tour starten, jede Schwachstelle wird dabei gnadenlos
aufgedeckt. Zur Gruppe hinzu kam Christian, der die Anfahrt (von
Remscheid) an einem Tag komplett per Rad in Angriff genommen hatte.
Diesen Abschnitt des Reiseberichtes verfasste
Enno de Vries.
Intermezzo: Remscheid - Kastellaun (178 km)
Mit einem quetschgepackten Rucksack bewaffnet, trat ich morgens die
Reise nach Meisenheim an, wo ich "meine Einheit" am Abend anzutreffen
hoffte. Um den Köln/Bonner Großraum zu umgehen, fuhr
ich über Bergisch-Gladbach nach Siegburg und bog dann kurz vor Hennef
rechts ab, um über Aegidienberg nach Linz auf den Rhein zu stossen.
Auf diesem Teilstück gab es die ersten heftigen Steigungen zu
geniessen, aber so lange Abfahrten wie nach Linz (ca. 8 km) haben
auch was für sich.
Bei Bad Breisig gings dann per Fähre über den Rhein, und dann gleich
quer in die Eifel nach Maria Laach, Mendig, Ploch nach Treis-Karden
an der Mosel. Hier zeichnete sich bereits ab, dass die gerade auskurierte
Grippe doch mehr Körner gekostet hatte als erwartet, so daß ich die
245 km bis Meisenheim wohl nicht schaffen würde. Trotzdem ging ich nach
der Moselüberquerung noch das Teilstück nach Simmern an, was mich aber
durch reichliches Auf und Ab in Kastellaun zur Kapitulation zwang.
Nur noch auf reine Fettverbrennung zurückgreifend, war mein Schnitt am Ende
unter 20 km/h gesunken. Dafür kann man in Kastellauns Schlosshotel gut und
günstig wohnen, und einen Italiener gibt es in dem Ort auch (wenn auch
sonst nicht viel).
8a. Etappe: Kastellaun - Zell/Mosel (89 km)
Ein reichliches Frühstück mit Kakao bis zum Abwinken brachte mich wieder
in Form, und so ging's erstmal 12 km über die Hunsrück-Höhenstraße nach
Südwesten - nicht zu empfehlen, da a) die Strasse tatsächlich über die Höh
geht und b) südwest die bevorzugte Windrichtung ist. Bei Windstärken
über 5 macht das wirklich keinen Spaß.
Über Kirchberg und Bruschied
erreichte ich dann Bundenbach, wo ich den Rest der Truppe zu
finden hoffte. Bei Sonnenschein (wenn auch reichlich kühlem Wind) hockte
ich mich eine Stunde als Gallionsfigur auf die eine oder andere Mauer
des Örtchens, bis ich die ersten Mitstreiter den Pass erklimmen sah, bald
gefolgt von unserem Begleitfahrzeug, so daß ich endlich mein Gepäck
loswerden konnte.
Mit den Kollegen ging's dann, wie oben schon beschrieben,
hinauf zur Hunsrück-Höhenstraße, wo uns der Wind diesmal querkam, so stark,
daß es Helmut auf der Abfahrt nach Traben-Trarbach beinahe vom Rad
geweht hätte. Nach der Abfahrt ins Moseltal wärmten wir uns erstmal ein
Stündchen in einem Kaffee auf, was auch die pannengeplagten Tandemfahrer
wieder zu uns aufschliessen ließ. Für den Rest bis Zell (20 km) hatten
wir den Wind dann endlich mal auf unserer Seite, nämlich von hinten.
9. Etappe: Zell/Mosel - Andernach (106 km)
Eines der landschaftlich schönsten Teilstücke dieser Fahrt begann mit
dem übelsten Wetter: Ein deftiger Landregen minimierte die Lust zum
Abfahren. Alexander tat das einzig richtige, indem er (allerdings
wegen Krankheit) den Zug als Reisemöglichkeit wählte. Als wir uns
dennoch überwunden hatten, scheiterte prompt der Versuch, statt links
der Mosel die Bundesstraße die auf der rechten Seite gelegenen
Nebenstraßen und für einen Abschnitt Uferfeldwege zu benutzen: Der
Uferweg war nicht mehr als eine völlig durchweichte Schlammpiste, und
fast jeder mußte zumindest einmal überstürzt vom Veloziped
absteigen. Da Enno uns am Vorabend leider per Zug verlassen mußte,
durfte ich heute das Tandem steuern, und bis heute weiß ich nicht
genau, wie ich diesen Weg ohne Sturz bezwang - meine Hochachtung für
Elfie, die das Schlingern des Gefährts mit stoischer Ruhe ertrug.
Ab Cochem schließlich hatten die Experimente ein Ende, und wir folgten
der Hauptstraße bis fast nach Koblenz, wo wir dann dem
ausgeschilderten Radwanderweg nach Andernach über Kärlich und
Weissenthurm folgten. (Die ursprünglich geplante Route über
Ochtendung und Plaidt fand wegen gefürchteter zusätzlicher Höhenmeter
leider keine Anhänger.) Auf dem letzten Drittel gab es dann - oh
Wunder - auch wieder Sonnenschein, so daß wir wenigstens einen kleinen
Teil der Mosellandschaft noch wirklich genießen konnten. Ab Koblenz
gab es nichts mehr zu genießen, da die Strecke durch Industrigebiete
und zum Teil parallel zur autobahnartig ausgebauten B9 verlief. Auch
auf diesem Abschnitt forderte der Radweg wieder seine Opfer, diesmal
mußte Michael zwei Mal den Reifen (bzw. Schlauch) wechseln.
10. Etappe: Andernach - Gummersbach-Derschlag (121 km)
Rheinüberquerungen haben so ihre Tücken, Brücken und Fähren sind in
diesem Abschnitt doch reichlich dünn gesät. So mussten wir also 5 km
nach Weissenthurm zurück fahren und dort die Rheinbrücke nach Neuwied
benutzen - eine der seltenen Gelegenheiten, wo man den vorhandenen
Radweg wählen sollte, da die Straße selbst durchaus den Charakter
einer Autobahn hat.
Nach Peilung des Sonnenstandes grob Richtung
Nordosten fahrend, schafften wir es tatsächlich, problemlos die
Wiedtal-Strasse zu finden. Das Wiedtal, insbesondere in den oberen
Abschnitten sehr idyllisch und ruhig, ist eine der topographisch
einfachsten Möglichkeiten, eine größere Strecke durch den Westerwald
zu bewältigen, und bot uns als Highlight eine Kolonie (Grau-?) Reiher
am Flussufer. Ab Neustadt/Wied wars dann aber mit der ruhigen Treterei
vorbei, irgendwie mussten wir ja mal über den Westerwald rüber, um
nach Eitorf and der Sieg zu kommen. Rechtzeitig zum schwierigeren
Terrain meldete sich auch der Regen wieder... Bevor wir dann den 7km
langen Anstieg nach Waldbröl in Angriff nahmen, kehrten wir noch in
einer Schänke ein, wo der Wirt uns partout eine "viel einfachere"
Alternativstrecke empfehlen wollte, die aber, wie auf einer
Wanderkarte zu sehen war, immer senkrecht zu den Höhenlinien verlief -
Moral: Vertraue keinem Autofahrer!
Auf dem letzten Teilstück,
gewürzt durch einige kurze aber kernige Steigungen, ging uns dann
tatsächlich noch Regine verloren, sie wollte wohl noch eine
Extra-Bergwertung nach Eckenhagen fahren. Gottseidank hat sie aber
trotzdem noch das in letzter Minute umgebuchte Quartier gefunden.
11. Etappe: Gummersbach-Derschlag - Hagen (62 km)
Um allzu
viel Höhenmeter auf dieser letzten Etappe zu vermeiden, bissen wir in
den sauren Apfel und folgten von Derschlag der B55 und später der B256
durch das Zentrum von Gummersbach nach Marienheide. Zwar ging es auch
hier lustig bergan, aber immer noch gemäßigt im Vergleich zur
Alternative an der Aggertalsperre vorbei (die außerdem auch einige
Kilometer länger gewesen wäre).
Geplant war, um etwa 15 Uhr in
Hagen einzutreffen, wo uns Presse und Rektor erwarten wollten, aber
beinahe hätte uns ein Defekt am Tandem einen Strich durch die Rechnung
gemacht: Kurz vor Marienheide riß der Mantel am Hinterrad an der
Felgenkante auf, Flicken des Schlauchs half hier nicht mehr.
Gottseidank war das Begleitfahrzeug in der Nähe, so daß wir das Rad
auf einfache Weise zu einem Radhändler schaffen konnten, der auch
gleich das Rad neu zentrierte - eine ziemlich notwendige
Maßnahme. Bedenklich stimmte lediglich die Tatsache, dass der erst in
Traben-Trabach neu aufgezogene Mantel schlappe 200 km gehalten hatte.
Und wäre es nicht so kalt und windig gewesen, hätte man die Stunde in
einem Bushäuschen auch als nicht ganz so lang empfunden; immerhin:
noch regnete es nicht.
Nachdem das Tandem wieder
fahrtüchtig war, ging es dann über Ohl und Rönsahl eine kleine
Kreisstraße direkt nach Halver-Engstfeld, und dann über Halver,
Breckerfeld nach Hagen-Eilpe, und rechtzeitig ab Halver, ab wo wir
eindeutig wieder in heimischen Gefilden weilten, war dann auch endlich
der Regen wieder da. Als Entschädigung gabs am Ende nochmal eine
schnuckelige 6 km lange Abfahrt mit einem Gefälle von bis zu 9%. Von
Eilpe aus fuhren wir dann im Konvoi den restlichen Verkehr aufhaltend
die noch verbleibenden 2 km bis zur Stadthalle, wo es Rektor und
Presse immer noch ausgehalten hatten und uns erwarteten. Am
wichtigsten war uns aber wohl der vorbereitete Imbiß ;-).
Teilnehmer
Helmut Bähring (Reiserad, Giant)
Per Bergamin (Rennrad, ?)
Ludwig Braun (Rennrad, ?)
Brigger, Eugen (Rennrad, ?)
Peter Hauser (Reiserad, Rabeneick)
Elfie Koch (Tandem, Dawes Galaxy)
Marianne Lehmann (Trekkingrad)
Rudolf Lorenz (Rennrad Bianchi)
Rico Meyer (Tourenrad, 3Gang?)
Michael Neis (Rennrad, Basso)
Raimund Pfundtner (Rennrad, ?)
Gerhard Rademacher (Rennrad, Giant Cadex)
Regine Reuter (Trekkingrad, Kettler?)
Christian Schulz (Rennrad, Francesco Moser)
Alexander Stamm (Tandem , Dawes)
Barbara Vollmer (Reiserad, Vogue)
Enno de Vries (Reiserad, Trek 520)
Nikola Weber (Reiserad, Dawes)
Renata Pfundtner (Transporter, Ford Transit)
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Christian Schulz, 19.10.1995, 22.03.1996